Deutschlandradio HiPo Wer wird naechster US-Praesident? Die Chancen des Bewerbers Barack Obama Lyrics

Bill Clinton war der 42. Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush ist der 43., noch knapp zwei Jahre lang; aber eine ganze Menge dreht sich bereits um den 44. Vereidigt wird er am 20. Januar 2009, mittags um 12.00 amerikanischer Ostküstenzeit; gewählt wird er am 4. November 2008; die Nominierungsparteitage der Demokraten und Republikaner, die Conventions, finden im Spätsommer kommenden Jahres statt. Die Vorwahlen beginnen wie üblich in Iowa und New Hampshire im Januar; aber schon heute rangeln 10 Republikaner und 8 Demokraten um die günstigste Ausgangsposition.

Präsidentschaftsbewerber brauchen viel Geld, geschätzt 100 Millionen Dollar, um den Vorwahlmarathon zu überstehen; sie brauchen Helfer, möglichst in allen Bundesstaaten; denn den Wahlkampf organisiert und finanziert der Kandidat, nicht die Partei. Was auch schwierig wäre, denn in diesem Karambolagerennen treten Demokraten gegen Demokraten und Republikaner gegen Republikaner an. Die Wähler entscheiden, und nur einer kommt durch, der auf der Convention auf den Schild gehoben wird. Die Karnevalsatmosphäre dieser Veranstaltung hat mit der Erleichterung zu tun, nun endlich gegen den Überlebenden der anderen Partei zu Felde ziehen zu können.

Präsident Bush kann nicht wiedergewählt werden, Vizepräsident Cheney tritt nicht an. Eine solche Kombination hat es zuletzt vor 80 Jahren gegeben. Je offener das Rennen, um so größer offenbar die Zahl der Bewerber.

Bei den Republikanern treten vier ehemalige Ministerpräsidenten an, hier Governor genannt: Tommy Tompson von Wisconsin, Mike Huckabee von Arkansas, James Gilmore von Virginia und Mitt Romney von Massachusetts; drei Mitglieder des Repräsentantenhauses: Ron Paul aus Texas, Duncan Hunter aus Kalifornien und Tom Tancredo aus Colorado; zwei Senatoren: Sam Brownback von Kansas und John McCain von Arizona, außerdem der frühere Bürgermeister von New York City Rudolph Giuliani, den die Demoskopen gegenwärtig für den Spitzenreiter halten, was noch allzu viel bedeutet, vor John McCain und Newt Gingrich, dem Ex-Speaker des Repräsentantenhauses, der noch gar nicht weiß, ob er überhaupt antreten wird.

Bei den Demokraten hat ein Bewerber schon wieder die Segel gestrichen: Tom Vilsack, der Ex-Governor von Iowa. Unverändert im Rennen: Bill Richardson, der Governor von New Mexico; Dennis Kucinich, ein Abgeordneter aus Ohio; John Edwards, der Ex-Senator von North Carolina, der Vizepräsidentschaftskandidat des Jahres 2004; dazu vier Senatoren: Joseph Biden von Delaware, Hillary Clinton von New York, Christopher Dodd von Connecticut und Barack Obama, der Jungsenator von Illinois, der Senkrechtstarter der Saison.

I stand before you today to announce my candidacy for President of the United States of America.

Senator Obama, derzeit 45, ist der Jüngste am Start. Bill Clinton war auch nicht älter. Aber Obama gehört dem Senat in Washington gerade mal zwei Jahre an; acht Jahre lang war er Senator im Bundesstaat Illinois, die längste Zeit in der Opposition. Regierungserfahrung hat er keine; aber offensichtlich traut er sich zu, in schwieriger Zeit eine Supermacht zu führen.

Ich räume eine gewisse Vermessenheit ein, eine gewisse Verwegenheit. Lange habe ich die Methoden Washingtons nicht studiert; ich war aber lang genug da, um zu erkennen, dass sie sich ändern müssen.

Verwegen oder nicht, in den Meinungsumfragen rangiert Obama an zweiter Stelle, vor John Edwards, hinter Hillary Clinton, die darauf verweisen kann, acht Jahre lang einem Präsidenten über die Schulter geschaut zu haben. Die erste Frau mit der reellen Chance, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, und der erste Farbige, der es schaffen könnte. Beides provoziert ein ungewöhnliches Medieninteresse; schon war von der Obama-Manie die Rede.

Aber wo der Jungsenator von Illinois auftritt, wird er nicht nur von Reportern und Kameraleuten bestürmt. In New Hampshire zahlten 1.500 Bürger 25 Dollar, um ihn reden zu hören. Als er Bücher signierte, morgens um elf, standen 800 auf der Matte. Und das ein Jahr vor dem Vorwahltermin! Altgediente Wahlkampfbeobachter sagen, dergleichen hätten sie noch nicht erlebt.

Woher stammt dieses ungewöhnliche Interesse? An seinen gesetzgeberischen Erfolgen kann es nicht liegen, die gibt es nicht.

Er ist einer von uns. Er ist Amerika; nicht die Reichen, die Wohlhabenden, die Sonderinteressen; er ist einer von uns.

Er kann reden, das tut zur Abwechslung ganz gut. Aber ich möchte sehen, was ein Senator tatsächlich zustandebringt.

Er ist so natürlich. Wenn er über den Krieg spricht, könnt' ich heulen.

Stimmen aus New Hampshire und aus Iowa waren das, wo die Kandidaten noch von Haus zu Haus gehen, und die Wähler den Bewerbern tatsächlich auf den Zahn fühlen, wo Politik noch en detail gehandelt wird.

Barack Obama begann sein politisches Engagement als Sozialarbeiter in einem Armenviertel Chicagos. Die Universität von Harvard machte den Studenten Obama als ersten Farbigen zum Herausgeber der Law Review, ihrer renommierten juristischen Fachzeitschrift. Das allein hätte eine Anstellung in einer der renommierten Anwaltskanzleien garantiert; Dr. Obama indes entschied sich für eine kleine in Chicago, die sich auf Bürgerrechtsfälle konzentrierte. Damit war der Weg in die Politik fast schon vorgezeichnet. 1996 wurde Obama in den Senat von Illinois gewählt; außerdem lehrte er an der Universität von Chicago Verfassungsrecht. Als 2004 einer der beiden Senatssitze Illinois' in Washington frei wurde, schlug Obama in der Vorwahl sechs demokratische Mitbewerber aus dem Felde. Mitten im eigenen Wahlkampf wurde ihm eine ungewöhnliche Auszeichnung zuteil; er durfte auf der Convention der Demokraten in Boston die Keynote Address, die Grundsatzrede, halten.

Wenn ein Kind im Süden Chicagos nicht lesen kann, geht das mich an, auch wenn es nicht mein Kind ist. Wenn ein Rentner die Arznei nicht bezahlen kann und zwischen Medizin und Miete wählen muss, macht das mein Leben ärmer, auch wenn es nicht meine Großeltern sind. Wenn eine Familie arabischer Abstammung festgehalten wird, ohne Anwalt oder normales Verfahren, bedroht das meine Bürgerrechte. Es ist die Grundüberzeugung - Ich bin der Hüter meines Bruders, der Hüter meiner Schwester -, die dieses Land in Gang hält, die uns erlaubt, eigene Träume zu verfolgen und uns doch als die eine amerikanische Familie zu fühlen.

Obama sprach auf der Convention über die Hoffnung, die Hoffnung der Sklaven, die am Feuer Freiheitslieder singen, die Hoffnung der Auswanderer, die zu fernen Gestaden aufbrechen

Die Hoffnung eines jungen Marineleutnants, der tapfer im Mekongdelta patrouilliert; die Hoffnung eines Arbeitersohns, es doch zu schaffen. Die Hoffnung eines mageren Jungs mit einem komischen Namen, dass Amerika auch für ihn einen Platz hat.(langer Beifall) Hoffnung angesichts der Schwierigkeiten, angesichts der Ungewissheit. Die Verwegenheit der Hoffnung!

Der Marineleutnant im Mekongdelta - John Kerry - verlor die Wahl; der magere Junge mit dem komischen Namen - Barack Obama - will es nun selbst versuchen. "Verwegenheit der Hoffnung", "The Audacity of hope", so hat Obama seine "Gedanken über die Wiedererlangung des amerikanischen Traums" überschrieben, sein jüngstes Buch. "Verwegenheit der Hoffnung" war auch das Thema einer Predigt, die den Sozialarbeiter Obama zu einem gläubigen Kirchenmitglied machte. Nachzulesen in Obamas Jugenderinnerungen "Träume von meinem Vater", die 1995 erschienen. Ein rührendes Buch über den schwarzen Vater, der in Kenia Ziegen hütete und mit einem Stipendium in Hawaii studieren konnte, wo er Baracks weiße Mutter aus Kansas kennenlernte. Der Vater verließ die Familie, als Barack zwei Jahre alt war; er hat seinen Vater ein einziges Mal wiedergesehen. Als die Mutter, von neuem verheiratet, mit ihrem Mann in dessen Heimatland nach Indonesien zog, war Barack gerade sechs Jahre alt. Vier Jahre später kehrte er allein zurück zu den Großeltern nach Hawaii. Erst jetzt lernte der Schüler und Hochschüler den Gegensatz der Rassen, die Vorurteile und den aufgestauten Ärger vieler Farbigen kennen.

Das ist kein liberales und kein konservatives Amerika, es sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Es gibt kein schwarzes und weißes Amerika, kein Latino- und kein asiatisches Amerika; es sind die Vereinigten Staaten.

Ein Amerika ohne Rassenschranken, davon ist in jedem Wahlkampf die Rede; aber nur wenige vermögen es so glaubwürdig einzufordern wie Barack Obama. 15.000 Menschen standen im Januar in der Kälte, als er vor dem alten State House in Springfield, Illinois seine Kandidatur erklärte. Und was rief er ihnen zu? "Ihr seid nicht meinetwegen gekommen, sondern weil Ihr glaubt, was dieses Land sein kann."

Angesichts des Kriegs glaubt Ihr an den Frieden, angesichts der Verzweiflung an Hoffnung. Angesichts der Politik, die Euch ausschloss, die uns zu lange trennte, glaubt Ihr, dass wir ein Volk sein können, nach dem Möglichen zu streben und diese vollkommenere Union zu bauen.

Mit dem Wort von der "vollkommeneren Union" zitierte Obama einen Rechtsanwalt aus Springfield, Abraham Lincoln, der 1858 an derselben Stelle erklärt hatte, dass ein gespaltenes Haus - im Süden Sklaven, im Norden nicht - nicht stehen könne.

Er lehrt uns, dass Wörter Macht haben, dass Überzeugungen Macht haben. Dass wir allen Unterschieden der Rasse und Region, des Glaubens und Standes zum Trotz ein Volk sind. Dass Macht in der Hoffnung ist.

Ist es dieses Prinzip Hoffnung, das Obamas Anziehungskraft ausmacht? Die Hoffnung auf ein Amerika ohne Rassenschranken, ohne ideologische Konfrontation, ohne politische Glaubenskriege. Nach vielen Gesprächen, nach der Lektüre von Briefen und E-Mails sei ihm bewusst geworden, wie sehr wir alle nach einer anderen Politik hungern.

Sind das die guten Vorsätze, mit denen alle möglichen Wege gepflastert sind? Ist es die Naivität eines in die Politik verschlagenen Sozialarbeiters? Oder Berechnung, die auf das Harmoniebedürfnis der Bevölkerung zielt, die am liebsten auf jede politische Auseinandersetzung verzichten möchte?

Deshalb trete ich an. Nicht um ein Amt zu haben, sondern um mit Euch eine Nation zu verändern. Ich will die nächste Schlacht gewinnen - für Gerechtigkeit und Chancen. Für bessere Schulen, bessere Arbeitsplätze und die Krankenversicherung für alle. Ich will, dass wir die unvollendete Aufgabe angehen, unsere Union zu verbessern und ein besseres Amerika zu schaffen.

Obama ist kein Naiver, der von der Macht der Hoffnung zu reden versteht. Steuererleichterungen für die Reichen nennt er unverantwortlich und unmoralisch; eine vernünftige Energiepolitik fehle und eine vernünftige Gesundheitspolitik. Er kritisiert die Bush-Administration, wo er nur kann.

Sechs Jahre hat man uns erzählt, steigende Schulden spielten keine Rolle, die Angst angesichts steigender Gesundheitskosten und stagnierender Löhne sei Einbildung, der Klimawechsel eine Ente. Starke Worte und ein schlechter Kriegsplan könnten Diplomatie, Strategie und Voraussicht ersetzen.

Den Angriff auf den Irak hat Obama von Anfang an als tragischen Fehler bezeichnet.

Amerika, es ist Zeit unsere Truppen heimzubringen. Es ist Zeit einzuräumen, dass kein Einsatz amerikanischer Leben den politischen Konflikt lösen kann, der dem Bürgerkrieg anderer zugrunde liegt.

Er fordert den Abzug der amerikanischen Kampfverbände bis März nächsten Jahres. Es sei die allerletzte Hoffnung, Sunniten und Schiiten zu drängen, untereinander Frieden zu machen.

Weitere Truppen zu schicken, verschiebt die politische Einigung in weite Ferne. Indem man den Irakern sagt, wie groß das Durcheinander auch ist, das ihr anrichtet, das amerikanische Militär ist immer da, um wieder aufzuräumen.

Natürlich wird die Entwicklung im Irak den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf beeinflussen. Ex-Senator John Edwards erklärt seit langem: "Ich habe für den Krieg gestimmt; das war falsch; ich hätte nie dafür stimmen sollen."

I voted fort his war. I was wrong. I should never have voted fort his war.

Hillary Clinton dagegen will sich nicht entschuldigen; auch sie hat im Herbst 2002 für die Ermächtigung zum Krieg gestimmt. Sie sagt, der Wähler habe zu beurteilen, was ein jeder gesagt und getan habe.

It is up to the voters to judge what each of us has said and done.

Barack Obama trat öffentlich gegen den Krieg auf, was für sein Urteilsvermögen spricht; auch wenn er dem Senat in Washington noch nicht angehörte.

Hat er wirklich Chancen, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden? In Amerika verändert sich etwas. Selbst bei den Republikanern scheint die Zeit der ideologischen Überzeugungstäter abgelaufen zu sein. Erzkonservative Wähler, die George W. Bush zur Macht verhalfen, werden kaum für Rudolph Guiliani stimmen wollen - zweimal geschieden, liberal, was Abtreibung und h___sexualität betrifft -; es sei denn, es sei die einzige Möglichkeit, eine Präsidentin Hillary Clinton zu verhindern. Senator Brownback gilt als ein in der Wolle gefärbter Konservativer; aber ihm fehlt das Charisma. Mitt Romney, der Retter der skandalträchtigen Winterspiele von Salt Lake City, der als Governor von Massachusetts die Krankenversicherung für alle einführte, rudert zurück ins konservative Lager; aber angeblich wollen vier von zehn Amerikanern keinen Mormonen im Weißen Haus sehen.

Vielleicht sind ohnehin die Demokraten am Zuge. Erstaunlicherweise tritt bei ihnen nur ein Governor an: Bill Richardson von New Mexico, ehedem Botschafter bei den Vereinten Nationen, Energieminister unter Clinton, der übrigens auch für die Atomwaffen zuständig ist. Der Kandidat John Edwards ist nicht zu unterschätzen. Hillary Clinton hat den höchsten Bekanntheitsgrad und sicher auch das größte Netzwerk der Helfer und Spender. Aber sie kämpft gegen die verbreitete Auffassung, dass sie zwar die Nominierung, aber kaum die Wahl gewinnen könne. Sie stößt auf begeisterte Zustimmung, aber auch auf ebenso entschiedene Abneigung; sie polarisiert ungleich stärker als Barack Obama, das weithin unbeschriebene Blatt.

Bei den Vorwahlen der Demokraten spielen die farbigen Wähler eine gewichtige Rolle. Sie haben durch d___ und dünn zu Bill Clinton gehalten; wird sich das ohne weiteres auf seine Frau übertragen? "Es gibt tiefe Gefühle, sehr warm und sehr solide," sagt der Abgeordnete John Lewis aus Georgia, "aber Mr. Obama ist ein Symbol des Fortschritts, ein Symbol der Hoffnung."

There is some deep feelings there, they are very warm and they are very solid. But Mr. Obama is a symbol of progress, is a symbol of hope.

John Lewis war einer der Bürgerrechtler, die 1965 in Selma, Alabama von Polizisten zusammengeschlagen wurden, als sie für das Wahlrecht der Farbigen demonstrierten. 42 Jahre später marschierte er wiederum über die Pettus-Brücke in Selma, auf der alles begann; an seiner Seite Hillary Clinton und Barack Obama, eine Genugtuung und ein Dilemma.

Heute gibt das Wahlrecht Senator Obama die Chance, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, und mir gibt es sie auch.

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